M O T I O N
Studiermöglichkeit für Flüchtlinge aus dem syrischen
Bürgerkrieg
an der Berner Fachhochschule und an der Universität Bern ermöglichen!
Der Regierungsrat wird beauftragt,
1. zusammen mit den Berner Hochschulen Massnahmen zu ergreifen, die es
syrischen Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommen
ermöglichen, ihr kriegsbedingt abgebrochenes Studium in der
Schweiz fortzusetzen.
2. Massnahmen zu ergreifen, die es geeigneten Flüchtlingen und vorläufig
Aufgenommen ermöglichen, Hochschulvorbereitungskurse
oder ein geplantes Studium in Angriff zu nehmen und zu absolvieren.
3. sich beim Bund dafür einzusetzen, dass Ausbildungsmöglichkeiten
für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene Bestandteil
entwicklungspolitischer Massnahmen werden.
Begründung:
Art. 8 der Bundesverfassung betont die Rechtsgleichheit aller Menschen.
Abs. 2 verbietet explizit die Diskriminierung wegen des Alters. Es ist
deshalb unverständlich, dass einem Während des Ungarnaufstandes
1956 wurde es Flüchtlingen in der Schweiz schnell und unbürokratisch
ermöglicht, ihr Studium aufzunehmen oder weiterzuführen. In
den Universitäten Zürich und Basel und an der ETH Zürich
erinnern heute noch Gedenktafeln an diese Hilfsbereitschaft und Weitsichtigkeit.
Damals unterstützten sowohl Gewerkschaften wie auch der Freisinn
die «Studentische Direkthilfe Schweiz - Ungarn». An diese
humanitäre Tradition soll angeknüpft werden.
Heute steht der Kanton Bern, genauso wie die restliche Schweiz, vor der
Herausforderung, vorläufig aufgenommene und anerkannte Flüchtlinge
schnellstmöglich zu einer sinnvollen Tätigkeit zu bringen.
Unter den Flüchtlingen aus Syrien befinden sich auch solche, die
Hochschulreife erlangt haben oder ein begonnenes Studium abbrechen mussten.
Es sind ehrgeizige Menschen dabei, die eines Tages gut ausgebildet in
ihr Land zurückkehren sollten, um beim Wiederaufbau zu helfen.
Offensichtlich stellt es jedoch eine grosse Herausforderung dar, die zahlreichen
Hürden zwischen einer Aufnahme in der Schweiz und dem Zugang zu einer
Hochschule zu meistern.
Um einen nachhaltigen Beitrag zur sinnvollen Nutzung des vorhandenen Potenzials
und zum mittelfristigen Wiederaufbau in Syrien sowie der langfristigen
Entwicklung dieses Landes zu leisten, sollte der Kanton Bern die Studiermöglichkeit
syrischer Flüchtlinge verstärkt unterstützen und sich für
ein Engagement der Bundesbehörden einsetzen. Es versteht sich dabei
von selber, dass sich ein entsprechendes Angebot an Flüchtlinge richten
soll, welche die Hochschulreife erlangt oder bereits ein Studium begonnen
hatten.
18. Januar 2016
Ruedi Löffel, EVP / Christoph Ammann, SP / Anita Luginbühl,
BDP / Philippe Müller, FDP
mitunterzeichnet von 79 weiteren Grossratsmitgliedern aus fast allen
Parteien
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