Bund 5.11.2004, Kanton Bern
PUK-Präsidium für kleine Partei
Am 15. November entscheidet der Grosse Rat über die Einsetzung
einer BLVK-Untersuchungskommission
Wenns bei den Regierungsparteien Probleme gibt, sind die kleinen Parteien
gefordert: Fürs Präsidium der Parlamentarischen Untersuchungskommission
(PUK) zum Lehrerkassen-Debakel sind sie gefragt. Bernhard Pulver (gfl)
hat dabei die besten Karten. Fritz Lauber
(...) Wenn es heute um die Aufarbeitung des Debakels der Bernischen Lehrerversicherungskasse
(BLVK) geht, so sind Vertreter der kleinen Parteien Anwärter aufs
Präsidium. Sollte eine Regierungspartei das PUK-Präsidium stellen,
bekäme sie «ein Glaubwürdigkeitsproblem bei der politischen
Bewertung des Debakels», sagt unumwunden SVP-Kantonalsekretär
Christoph Neuhaus. Käme beispielsweise eine PUK unter SVP-Leitung
zum Ergebnis, die Regierung treffe keine Verantwortung, hiesse es sofort,
ein Reinwaschen sei zu erwarten gewesen angesichts dieser PUK-Leitung.
Erhebe die PUK jedoch Kritik, etwa an die Adresse des freisinnigen Erziehungsdirektors,
hiesse es: Typisch, die SVP haut wieder auf ihren Partner ein. Für
Christoph Neuhaus wäre es deshalb vernünftig, jemandem aus einer
kleinen Partei das Präsidium zu übertragen. «Das ist meine
persönliche Meinung», schränkt er allerdings ein. Die
Fraktion werde das Thema nächste Woche diskutieren. (...)
Pulver macht sich bereit
Als mögliche Anwärter aufs PUK-Präsidium wurden
bisher aus Nichtregierungsparteien GFL-Grossrat Bernhard Pulver und EVP-Grossrat
Ruedi Löffel genannt. «Es könnte auch Arnold
Bertschi von der CVP sein», sagt Hans-Jürg Käser und bringt
damit einen Grossrat, der in der FDP-Fraktion mitmacht, in die Diskussion.
Favorit dürfte allerdings Jurist Bernhard Pulver sein, der als Präsident
der Kommission zur Revision des BLVK-Gesetzes bereits Vorwissen mitbringt.
«Von der Kompetenz her ist Pulver unbestritten», meint Christoph
Neuhaus. Bernhard Pulver hat aufgrund der Signale, die an ihn ausgesandt
wurden, bereits vorsorglich abgeklärt, ob er sein Arbeitspensum im
Bundesamt für Justiz, wo er sich unter anderem mit Pensionskassenfragen
befasst, reduzieren könnte, falls ihm das PUK-Präsidium übertragen
würde. Das sei möglich. «Es wäre eine interessante
Aufgabe», sagt Pulver, und es ergäben sich Synergien dank seinem
BLVK-Kommissionspräsidium.
Nicht alle sind jedoch glücklich, dass nach der städtischen
Wasserfallen-PUK auch die kantonale BLVK-PUK von einem GFL-Mitglied präsidiert
werden soll. Sie bringen deshalb den EVP-Mann Ruedi Löffel ins Spiel.
«Ich dränge mich nicht vor», meint dazu der EVP-Geschäftsführer.
So spannend wie die Besetzung des Präsidiums ist die Frage, ob alle
sechs Grossratsfraktionen in der PUK vertreten sein sollen. Einer 13-köpfigen
Kommission, wie sie vorgesehen ist, gehören normalerweise 5 SVP-,
4 SP- und 2 FDP-Mitglieder an. Die kleinen Fraktionen (EVP, GFL GB) haben
zusammen nur zwei Vertreter.
BZ und Bieler Tagblatt 28.10.2004, Kanton Bern
Lehrerkasse-PUK: Wer stürzt sich in die Arbeit?
Das Debakel um das Milliardenloch in der Pensionskasse der Lehrerschaft
wird politisch aufgearbeitet. Das Büro des Grossen Rats will eine
Untersuchungskommission einsetzen. Jetzt muss ein Präsident her.
Der Fall ist klar: Eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK)
soll das Debakel um die Bernische Lehrerversicherungskasse (BLVK) aufarbeiten.
Das Büro des Grossen Rats beantragt dem Parlament einstimmig, eine
PUK einzusetzen, wie Grossratspräsident Heinz Dätwyler (EVP)
auf Anfrage bestätigt. Weil bereits SP, FDP und SVP eine PUK verlangten,
dürfte der Entscheid im Parlament zur Formsache werden.
13-köpfiges Gremium
Das Büro des Grossen Rats – das Parlamentspräsidium
und die Stimmenzähler – schlägt laut Dätwyler ein
13-köpfiges Gremium vor und will der PUK einen «vielseitigen,
modulartigen» aber gleichzeitig konkreten Fragenkatalog vorgeben.
In der kommenden Novembersession wird der Grosse Rat die PUK einsetzen,
anschliessend dürfte sich die PUK in zwei bis drei Ausschüsse
gruppieren und sich zu etwa 30 Sitzungen treffen.
Auch wenn der besagte Fragenkatalog noch nicht endgültig definiert
ist: Die PUK wird klären müssen, wie es trotz juristischer,
fachlicher und politischer Aufsicht zur Misswirtschaft und zum Milliardenloch
in der Pensionskasse der Lehrerschaft gekommen ist und welche Rolle dabei
die politischen Behörden gespielt haben. Auch wenn die Pensionskasse
seit 2000 ohne Staatsgarantie und quasi unabhängig geschäftete:
Bis heute sind politische Exponenten von SP, FDP und SVP eng mit den Gremien
der Pensionskasse verflochten. Einerseits sassen Vertreter der Lehrerschaft
als Arbeitnehmervertreter in der entscheidenden Verwaltungskommission
– und waren immer wieder auch Mitglied des Grossen Rats. Andererseits
gehörten Verwaltungsangestellte und Mitglieder des Obergerichts als
Vertreter des Kantons (Arbeitgebervertreter) der Verwaltungskommission
an.
Wer wird PUK-Präsident?
Gerade auf Grund dieser Tatsache steht der Grossen Rat vor einer kniffligen
Aufgabe. Denn weil die Kommission entsprechend der Wähleranteile
der Parteien zusammengesetzt sein wird, drängt sich bei einem 13-köpfigen
Gremium folgender Verteilschlüssel auf: fünf SVP-, vier SP-,
zwei FDP- sowie zwei Vertreter der übrigen Parteien. Doch die Zusammensetzung
ist nur das eine. Für Diskussionen sorgt vielmehr die Frage, wer
die Untersuchungskommission präsidieren soll. Exponenten verschiedener
Parteien signalisierten, dass es auf Grund der Verflechtungen der Pensionskasse
mit den grossen Parteien politisch gesehen nicht geschickt wäre,
wenn ein Vertreter von SP, FDP oder SVP die Leitung der PUK übernehmen
würde.
Bernhard Pulver?
Inzwischen werden bereits die ersten Namen genannt: Auf breite Akzeptanz
könnte wohl GFL-Grossrat und Jurist Bernhard Pulver zählen.
Im Grossen Rat gehört er zu den wenigen Politikern, die über
die Parteigrenzen hinaus respektiert werden. Pulver, der sich beim Bundesamt
für Justiz mit Pensionskassenfragen beschäftigt, präsidiert
inzwischen die Kommission für das Gesetz, das die Lehrerversicherungskasse
auf eine neue rechtliche Basis stellen wird. Er selbst betont, er suche
dieses Amt nicht und werde sich «nicht vordrängen». Im
gleichen Atemzug fügt er aber an: «Es wäre wirklich eine
sehr interessante Aufgabe.» Doch Pulver verweist auch auf die immense
Arbeit, die ein PUK-Präsident bewältigen müsse.
Ruedi Löffel?
Von Seiten der SP wurde die EVP ins Gespräch gebracht, das PUK-Präsidium
zu übernehmen. Genannt wird Ruedi Löffel, der dem Grossen Rat
seit zwei Jahren angehört und persönlich überzeugt ist,
eine PUK bringe «sachlich und inhaltlich keine neuen Erkenntnisse».
Er betont auf Anfrage, er sei überrascht gewesen, seinen Namen in
diesem Zusammenhang zu hören. Und auch er argumentiert, er sei bereits
heute mit Beruf, Familie und Politik «an der Grenze der zeitlichen
Möglichkeiten angelangt». Löffel: «Aber vielleicht
gibt es tatsächlich Gründe dafür, dass die EVP eine tragende
Rolle in der PUK übernehmen könnte.»
Samuel Leuenberger?
Die FDP kündigte bereits vor Wochen an, sie könne sich vorstellen,
das Präsidium zu stellen. Doch Namen wurden bisher keine genannt,
hingegen sind – wie in anderen Parteien auch – grundsätzliche
Bedenken gegen ein Präsidium zu hören. Als einziger konkreter
Name einer grossen Partei wird der 30-jährige Emmentaler SVP-Grossrat
und Notar Samuel Leuenberger als möglicher PUK-Präsident genannt.
Leuenberger, seit vier Jahren im Grossen Rat, sagt auf Anfrage, er habe
sich mit dem Thema bisher noch nicht auseinander gesetzt. Sicher wäre
das Präsidium der Untersuchungskommission «sehr interessant
und ungemein spannend».
Otto Hostettler.
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